Lichtplanung im Büro: Wie Licht die Wirkung eines Raums verändert
Alessandro Nicotra
Licht

Kurz gesagt
— Licht auf den Wänden lässt Räume weiter und klarer wirken, Licht nur von oben auf den Tisch macht sie konzentrierter und enger.
— Gute Beleuchtung arbeitet in Ebenen: Grundlicht, Akzent und Atmosphäre.
— Die Norm EN 12464-1 nennt für Büroarbeitsplätze 500 Lux, begrenzt die Blendung und verlangt seit 2021 auch Licht auf Wänden und Decke.
Derselbe Raum kann weit oder eng, sachlich oder warm, unruhig oder konzentriert wirken. Entscheidend ist nicht, wie hell er ist, sondern wohin das Licht fällt. Gute Lichtplanung beginnt darum mit der Frage, wie ein Ort wirken soll, und erst danach mit Leuchten und Lux.
Die Norm beschreibt eine Untergrenze, keinen Entwurf.
Wie verändert Licht die Wahrnehmung eines Raums?
Licht bestimmt, welche Flächen wir sehen, und damit, wie gross, offen oder vertraut ein Raum wirkt. Der Lichtforscher John Flynn hat das in den 1970er-Jahren in einem Büroraum mit sechs Beleuchtungen untersucht. Die Eindrücke hingen vor allem davon ab, ob das Licht von oben oder von den Rändern kam, gleichmässig war oder nicht, hell oder gedämpft (NIST).
Spätere Studien bestätigen das: Wandfluten lässt einen Raum klar und geordnet wirken, indirektes Licht macht ihn weiter (Manav und Yener, 1999).
Was sind die drei Ebenen der Lichtplanung?
Licht zum Sehen, Licht zum Hinsehen und Licht zum Ansehen. Die Idee geht auf den Lichtgestalter Richard Kelly zurück. Eine ruhige Grundhelligkeit gibt Orientierung, Akzente lenken den Blick, und Licht, das selbst wirkt, gibt dem Ort seinen Charakter.

Kanadevia Inova, Zürich
Wie viel Licht braucht ein Büroarbeitsplatz?
Die Norm EN 12464-1 verlangt für Büroarbeit 500 Lux auf der Arbeitsfläche. Dazu kommen Grenzen für Blendung und Farbwiedergabe und seit 2021 auch Werte für Wände, Decke und Gesichter (Trilux; licht.de). In der Schweiz verweist die Wegleitung des SECO auf dieselben Werte.
Ein Raum kann alle Werte erfüllen und trotzdem flach wirken. Darum planen wir zuerst die Wirkung und prüfen dann die Zahlen.
Was zeigt eine Lichtberechnung?
Sie zeigt, wie viel Licht wo ankommt, bevor eine Leuchte montiert ist. So wird sichtbar, wo Arbeitsplätze zu wenig Licht bekommen, wo Wege unnötig hell sind und ob die Wände genug Licht erhalten. Wir rechnen jeden Lichtentwurf in Relux nach, bis Wirkung und Werte zusammenpassen.
Warum beginnt Lichtplanung beim Tageslicht?
Weil die Sonne den grössten Teil des Tages schon die Arbeit macht, und weil Tageslicht gut tut. Eine Pilotstudie fand, dass Büroangestellte mit Fenstern an Arbeitstagen rund 46 Minuten länger schliefen. Arbeitsplätze rücken dorthin, wo Tageslicht am meisten bringt, und der Sonnenschutz bleibt beweglich, damit der Blick nach draussen offen bleibt.
Ein Raum, zwei Gesichter
Tagsüber braucht es klares Arbeitslicht. Am Abend, wenn Gäste kommen oder das Team zusammensitzt, wechselt der Raum mit einer Lichtszene seine Stimmung: aus Arbeitsweiss wird ein warmer Ton, und von der Strasse aus sieht man Leben statt Leuchten.
Fünf Fragen vor der Lichtplanung
1 · Wie soll der Ort wirken?
2 · Wo fällt das Tageslicht hin?
3 · Sind die Wände mitgeplant?
4 · Welche Szenen braucht der Tag?
5 · Ist der Entwurf nachgerechnet?

pom+ Industriehof, Zürich, am Abend
Häufige Fragen
Warmweiss oder neutralweiss im Büro?
Beides hat seinen Platz. Neutralweisses Licht um 4000 Kelvin wirkt klar und sachlich und eignet sich für konzentriertes Arbeiten. Warmweisses Licht um 3000 Kelvin wirkt wohnlicher und passt zu Begegnungszonen, Empfang und Abendstimmung.
Was bedeutet der UGR-Wert?
Der UGR-Wert beschreibt, wie stark eine Beleuchtung blendet. Je tiefer der Wert, desto angenehmer das Licht. Für Büroarbeitsplätze gilt ein Grenzwert von 19.
Was ist die zylindrische Beleuchtungsstärke?
Sie beschreibt, wie viel Licht auf senkrechte Flächen aus allen Richtungen fällt, etwa auf Gesichter. Sie entscheidet, ob man sich im Gespräch und im Videocall gut sieht.
Reichen Downlights für ein gutes Bürolicht?
Allein selten. Downlights beleuchten Tische und Böden, lassen Wände und Decke aber oft dunkel. Erst mit Licht auf den Raumbegrenzungen wirkt ein Büro offen und hell.
Lohnt sich eine Lichtsteuerung mit Sensoren?
In den meisten Büros ja. Laut EnergieSchweiz ist erst rund jede zehnte Innenleuchte in der Schweiz sensorgesteuert, obwohl eine konsequente Steuerung den Verbrauch gegenüber älteren Anlagen um über 80 Prozent senken kann.
Quellen
NIST IR 5119: Literaturauswertung zu Licht und Raumeindruck, National Institute of Standards and Technology
Effects of different lighting arrangements on space perception, Manav und Yener, 1999
Planer-Update 2021 zur EN 12464-1, Trilux, 2021
licht.forum 60: Leitfaden DIN EN 12464-1, licht.de
Wegleitung zur ArGV 3, Art. 15 Beleuchtung, SECO, 2018
Impact of windows and daylight exposure on health and sleep quality of office workers, Boubekri et al., 2014
Stromverbrauch für Beleuchtung in der Schweiz, EnergieSchweiz / BFE, 2023
Gutes Licht fällt nicht auf. Man spürt es: in der Konzentration am Morgen, im Gespräch am Abend und in dem Gefühl, an einem Ort zu sein, der zu einem passt.
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Jedes Projekt beginnt mit einem Gespräch. Erzählt uns, was ihr vorhabt: eine neue Arbeitswelt, ein Restaurant, eine Fläche mit Zukunft. Wir kommen offen, neugierig und mit der Erfahrung aus Strategie, Innenarchitektur und Licht. Am liebsten bei uns im Studio an der Gutstrasse in Zürich. Oder dort, wo euer Projekt entsteht.