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Licht, das mitdenkt.

Lichtsteuerung im Büro: Präsenzmelder, Tageslicht und Lichtszenen richtig planen

Alessandro Nicotra

Licht

Kurz gesagt

— Die Beleuchtung macht rund 10 Prozent des Stromverbrauchs der Schweiz aus. Präsenz- und Tageslichtsteuerung senken den Verbrauch deutlich.

— In der Praxis sparen Systeme oft weniger als versprochen. Sorgfältige Planung und Inbetriebnahme machen den Unterschied.

— Menschen akzeptieren Automatik dann, wenn sie selbst eingreifen können.

Gutes Licht schaltet sich ein, wenn man es braucht, passt sich dem Tageslicht an und wechselt am Abend die Stimmung. Lichtsteuerung spart dabei viel Energie. Sie funktioniert aber nur, wenn sie für die Menschen geplant ist, die darunter arbeiten, und nicht gegen sie.

Die beste Lichtsteuerung ist die, die man nicht bemerkt, bis man sie braucht.

Wie viel Energie spart eine Lichtsteuerung im Büro?

Je nach Strategie rund ein Viertel bis über ein Drittel. Die Beleuchtung hatte 2023 einen Anteil von 10 Prozent am Stromverbrauch der Schweiz, getrieben vor allem vom Dienstleistungssektor (BFE). Eine Auswertung des Lawrence Berkeley National Laboratory über zahlreiche Studien fand durchschnittliche Einsparungen von 24 Prozent mit Präsenzsteuerung, 28 Prozent mit Tageslichtsteuerung und 38 Prozent mit kombinierten Strategien.

Die Details zählen. Beim Schulhaus Bläsi brachte allein die Verkürzung der Abschaltverzögerung der Präsenzmelder von 15 auf 5 Minuten rund 20 Prozent Einsparung (Minergie).

Was verlangt die SIA 387/4 im Büro?

Einen Grenzwert für den Strombedarf der Beleuchtung, und der hängt von der Steuerung ab. Die Norm SIA 387/4 gilt bei Neu- und Umbauten ab 1'000 m² Energiebezugsfläche und auch für Mieterausbauten (EnFK, Vollzugshilfe EN-111). Wer Präsenz- und Tageslichtregelung einplant, erfüllt die Anforderungen leichter. Minergie verlangt im Schnitt rund 30 Prozent weniger als der SIA-Grenzwert.

Lichtlinien bei der LSEG in Genf

Warum sparen viele Systeme weniger als versprochen?

Weil Technik allein nicht reicht. Ein Test der Hochschule Luzern zeigte, dass Präsenzmelder in den meisten Fällen deutlich weniger Energie sparten, als die Herstellerangaben erwarten liessen. Falsch platzierte Sensoren, zu lange Nachlaufzeiten oder ungünstige Einstellungen fressen die Einsparung auf.

Und Menschen wehren sich gegen Licht, das sie nicht beeinflussen können. Eine Untersuchung der Lund University fand, dass stark automatisierte Systeme ohne manuelle Übersteuerung oft deaktiviert oder sogar sabotiert werden. Besser funktioniert das Prinzip «manuell ein, automatisch aus». Laut einer Übersicht der University of Washington sank in einer Studie damit der Stromverbrauch deutlich, und die Zufriedenheit stieg.

Wie plant man eine gute Lichtsteuerung?

Vom Raum aus, nicht vom Katalog. Zuerst klären wir, wie ein Ort genutzt wird und wie er wirken soll. Dann planen wir die Steuerung dazu.

Tageslicht zuerst. Arbeitsplätze nahe am Fenster brauchen tagsüber wenig Kunstlicht. Eine Tageslichtsteuerung dimmt dort automatisch.

Präsenz, wo sie Sinn ergibt. In Sitzungszimmern, Fokusboxen, Nebenräumen und Wegen schaltet das Licht automatisch ab. Am Arbeitsplatz bleibt die Hand am Schalter.

Szenen für den Tag. Ein Raum kann tagsüber klares Arbeitslicht haben und am Abend für Gäste warm werden. Mit wenigen gut benannten Szenen gelingt das ohne Bedienungsanleitung. Bei der London Stock Exchange Group in Genf sitzen die Sensoren unsichtbar in den Lichtlinien, und ändert sich die Nutzung, passt sich das Licht ohne Umbau an.

Ein offener Standard. Mit DALI, einem genormten Protokoll nach IEC 62386, lässt sich jede Leuchte einzeln ansprechen (DALI Alliance). Das macht spätere Anpassungen einfach.

Nachrechnen und einregulieren. Jeden Lichtentwurf rechnen wir in Relux nach. Nach dem Einzug lohnt es sich, Sensoren und Zeiten zu prüfen, denn dort liegt ein grosser Teil der Einsparung.

Was bringt biodynamisches Licht?

Möglicherweise einiges, aber die Forschung ist noch vorsichtig. Die internationale Lichtkommission CIE hält fest, dass helles Licht am Tag und wenig Licht am Abend förderlich ist. Ein internationaler Konsens empfiehlt für gesunde Erwachsene tagsüber eine ausreichende Lichtdosis auf Augenhöhe und abends deutlich weniger (CIE TN 015). Die Empfehlungen sind ausdrücklich als erste Orientierung formuliert. Wir planen deshalb vor allem mit Tageslicht, hellen Raumoberflächen und warmem Abendlicht, und setzen farbwechselndes Kunstlicht dort ein, wo es einen klaren Nutzen hat.

Was bringt das dem Unternehmen?

Tiefere Stromkosten, erfüllte Vorschriften und weniger Unterhalt. Mit kombinierten Steuerungsstrategien liegt die durchschnittliche Einsparung laut Lawrence Berkeley National Laboratory bei 38 Prozent. Eine sorgfältige Einregulierung nach dem Einzug holt oft nochmals viel heraus, wie das Beispiel mit den verkürzten Abschaltzeiten zeigt. Und weil die Norm SIA 387/4 auch für Mieterausbauten gilt, ist eine gute Steuerung oft der einfachste Weg, die Anforderungen zu erfüllen.

Ein offener Standard wie DALI senkt zudem die Kosten späterer Anpassungen: Ändert sich die Nutzung, wird umprogrammiert statt umgebaut.

pom+ Industriehof, Zürich

Häufige Fragen

Lohnt sich eine Lichtsteuerung auch bei LED?

Ja. LED sparen bereits viel Energie, eine gute Steuerung senkt den Verbrauch zusätzlich und verlängert die Lebensdauer der Leuchten.

Wo sollten Präsenzmelder eingesetzt werden?

Vor allem in Räumen, die zeitweise leer stehen: Sitzungszimmer, Fokusboxen, Nebenräume, Korridore. Am Arbeitsplatz hat sich «manuell ein, automatisch aus» bewährt.

Was ist DALI?

Ein genormtes Protokoll zur Lichtsteuerung, mit dem jede Leuchte einzeln adressiert und gedimmt werden kann. Es erleichtert spätere Anpassungen.

Was ist eine Lichtszene?

Eine gespeicherte Einstellung mehrerer Leuchten für eine Situation, etwa Arbeiten, Präsentation oder Abendanlass. Ein Tastendruck genügt.

Gilt die SIA 387/4 auch für Mieterausbauten?

Ja, bei Neu- und Umbauten ab 1'000 m² Energiebezugsfläche gilt sie auch für Mieterausbauten.

Kontakt

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Jedes Projekt beginnt mit einem Gespräch. Erzählt uns, was ihr vorhabt: eine neue Arbeitswelt, ein Restaurant, eine Fläche mit Zukunft. Wir kommen offen, neugierig und mit der Erfahrung aus Strategie, Innenarchitektur und Licht. Am liebsten bei uns im Studio an der Gutstrasse in Zürich. Oder dort, wo euer Projekt entsteht.