Mitarbeitende ins Büro zurückholen: Was ein Büro wirklich attraktiv macht
Alessandro Nicotra
Arbeitswelten

Kurz gesagt
— In der Schweiz arbeitet rund die Hälfte der Erwerbstätigen zumindest zeitweise mobil. Eine breite Rückkehr in fünf Bürotage zeichnet sich nicht ab.
— Der wichtigste Grund fürs Büro ist die Zusammenarbeit. Wer dafür keinen guten Ort findet, bleibt zu Hause.
— Bevor man Regeln aufstellt, lohnt sich ein ehrlicher Blick darauf, wie das Team heute arbeitet und was ihm im Büro fehlt.
Viele Unternehmen wünschen sich mehr Leben im Büro, und viele versuchen es mit Regeln. Doch Präsenz lässt sich anordnen, Begeisterung nicht. Ein Büro, in das Menschen gerne kommen, bietet etwas, das es zu Hause nicht gibt: Begegnung, Lernen und Räume, die die Arbeit leichter machen.
Präsenz lässt sich anordnen. Begeisterung nicht.
Wie viele Tage sind Mitarbeitende in der Schweiz heute im Büro?
Mobiles Arbeiten ist gekommen, um zu bleiben. Laut der FlexWork Trendstudie 2024 der FHNW arbeiten 51 Prozent der Erwerbstätigen in der Schweiz zumindest gelegentlich mobil, 2014 waren es 34 Prozent. Etwa die Hälfte ist an mindestens dreieinhalb Tagen pro Woche vor Ort. Eine breite Rückkehrbewegung sieht die Studie nicht.
Auch international hat sich das Bild beruhigt. Eine Auswertung der Stanford University über 22 Länder zeigt, dass Beschäftigte in Europa heute an etwa einem bis anderthalb Tagen pro Woche zu Hause arbeiten, mit stabiler Tendenz. In der Schweiz erwarten viele Unternehmen rund drei Bürotage pro Woche, und drei von vier lassen die Wahl der Tage offen (JLL).
Warum bringt eine Präsenzpflicht allein wenig?
Weil sie die Präsenz erhöht, aber nicht den Grund, dafür zu kommen. Eine Studie der University of Pittsburgh zu grossen US-Firmen mit Präsenzpflicht fand nach der Einführung keine Verbesserung der Geschäftsergebnisse, dafür eine deutlich tiefere Arbeitszufriedenheit. Umgekehrt zeigte ein Experiment mit 1'600 Mitarbeitenden, veröffentlicht in Nature: Zwei Homeoffice-Tage pro Woche senkten die Kündigungen um einen Drittel, ohne die Leistung zu schmälern.
Microsoft brachte es in seinem Work Trend Index auf den Punkt: 38 Prozent der hybrid Arbeitenden wissen nicht, wann und wofür sie ins Büro kommen sollen. Die Aufgabe der Führung sei, das Büro den Arbeitsweg wert zu machen.

pom+ Industriehof, Zürich
Was macht ein Büro attraktiv?
Ein attraktives Büro bietet, was zu Hause fehlt: Begegnung, gemeinsames Arbeiten, Lernen und Ruhe, wenn man sie braucht. In einer Leesman-Umfrage nennen 70 Prozent der Immobilienverantwortlichen Zusammenarbeit und Wissensaustausch als Hauptgrund für ihre Büroflächen. Gleichzeitig stimmen im Gensler Global Workplace Survey 2025 nur 26 Prozent der Befragten klar zu, dass ihr Büro ihnen hilft, ihre beste Arbeit zu leisten. Als Hindernisse nennen sie fehlende Verfügbarkeit, Lärm und schlechte Nutzbarkeit.
Daraus folgen vier Eigenschaften, die ein Büro anziehend machen:
Orte für das Wir. Eine Küche, an der man gerne isst, ein Projektraum, der sich verwandeln lässt, ein Treffpunkt mit Charakter. Bei KAYAK in Zürich ist die Küche mit Tavolata und Sofa das Herz des Büros, bei pom+ der multifunktionale Workshopraum.
Orte für das Ich. Wer ins Büro kommt, muss sich dort auch konzentrieren können. Fehlen Rückzugsorte, wird das Homeoffice zum Fokusraum, und das Büro verliert.
Ein Ort, der zur Firma passt. Räume, in denen man die eigene Kultur wiedererkennt, schaffen Zugehörigkeit. Mehr dazu im Artikel Identität, die man betreten kann.
Ein guter Weg dorthin. Ein Büro, das schlecht erreichbar ist, lässt sich mit keinem Ausbau wettmachen. Mehr dazu im Artikel Bürostandort finden.
Wie findet man heraus, was das eigene Team braucht?
Indem man fragt und misst, bevor man plant. Die IAP-Studie der ZHAW zeigt: Bei seltener Präsenz fehlen vor allem die informellen Gespräche in der Pause. Einzelne Firmen berichten, dass attraktivere Aufenthaltsräume den zufälligen Austausch fördern, und die Befragten betonen, dass es dabei keinen Zwang braucht.
In unserer Software Workplace Intelligence malen die Mitarbeitenden ihre typische Woche Stunde für Stunde: konzentriert, im Meeting, gemeinsam an einem Projekt, im informellen Gespräch, unterwegs. Daraus wird sichtbar, an welchen Tagen das Team vor Ort ist und welche Tätigkeiten den Bürotag prägen. Wo Daten aus Raumbuchung oder Zutritt vorliegen, legen wir sie daneben: Was gesagt wird und was gemessen wird, ist oft nicht dasselbe. Erst dann entscheiden wir gemeinsam, wie viele Orte für Begegnung, Zusammenarbeit und Ruhe das Büro braucht.
Was bringt das dem Unternehmen?
Bindung, Zusammenarbeit und Fläche, die genutzt wird. Ein Büro, das man gerne aufsucht, ist ein Argument im Wettbewerb um Talente. Das Experiment mit 1'600 Mitarbeitenden zeigt, wie stark Arbeitsmodelle die Fluktuation beeinflussen, und jede Kündigung kostet Rekrutierung, Einarbeitung und Wissen.
Gleichzeitig verhindert eine ehrliche Datengrundlage teure Fehlplanungen. Wer weiss, an welchen Tagen das Team wirklich vor Ort ist, baut weder Arbeitsplätze, die leer bleiben, noch Besprechungsräume, die am Dienstag fehlen. Fläche, die nicht genutzt wird, kostet trotzdem Miete.

KAYAK Office, Zürich
Häufige Fragen
Wie viele Bürotage sind in der Schweiz üblich?
Viele Unternehmen erwarten heute rund drei Tage pro Woche vor Ort. Etwa die Hälfte der Erwerbstätigen ist an mindestens dreieinhalb Tagen im Büro.
Ist eine Präsenzpflicht sinnvoll?
Klare Teamtage helfen, damit sich die richtigen Menschen tatsächlich begegnen. Eine starre Pflicht ohne gute Räume senkt dagegen oft die Zufriedenheit, ohne die Zusammenarbeit zu verbessern.
Was wünschen sich Mitarbeitende vom Büro?
Vor allem gute Orte für Zusammenarbeit und Austausch, dazu ruhige Plätze für konzentrierte Arbeit und Räume, die sich angenehm anfühlen. Was im Einzelfall fehlt, zeigt eine kurze Befragung.
Muss man für mehr Präsenz umbauen?
Nicht immer. Oft bringt eine neue Zonierung bestehender Flächen mehr als zusätzliche Quadratmeter. Ein Umbau lohnt sich dort, wo Begegnungsorte oder Rückzugsräume ganz fehlen.
Wie misst man, ob das Büro wirkt?
Mit einer Befragung vor und nach dem Umbau und, wo vorhanden, mit Nutzungsdaten. So sieht man, ob die neuen Räume angenommen werden.
Quellen
FlexWork Trendstudie 2024, FHNW Hochschule für Angewandte Psychologie, 2025
Working from Home in 2025: Five Key Facts, Stanford SIEPR, 2025
Dekodierung des Return-to-Office-Puzzles in der Schweiz, JLL, 2024
Return-to-office mandates, University of Pittsburgh, 2024
Hybrid working from home improves retention, Bloom, Han und Liang, Nature, 2024
Work Trend Index 2022, Microsoft, 2022
The workplace why, Leesman, 2025
Global Workplace Survey 2025, Gensler, 2025
IAP Studie 2023: Hybrides Arbeiten, ZHAW IAP, 2023
Ein gutes Büro muss niemanden überzeugen. Es ist einfach der Ort, an dem die Arbeit gemeinsam besser gelingt.
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