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Bauen, um wieder auseinanderzubauen.

Kreislaufwirtschaft im Innenausbau: Bauen, um wieder auseinanderzubauen

Alessandro Nicotra

Nachhaltigkeit

Kurz gesagt

— Der Bausektor ist der grösste Materialverbraucher der Schweiz. Bauen im Bestand und Wiederverwendung sparen viel graue Energie.

— Sortenrein gefügte Bauteile lassen sich bei einem Umbau lösen, trennen und weiterverwenden.

— Das nachhaltigste Möbel ist das, das es schon gibt. Wer den Bestand erfasst, kann ihn gezielt einplanen.

Ein Innenausbau hat oft ein kürzeres Leben als das Gebäude, in dem er steckt. Mieter wechseln, Teams wachsen, Arbeitsweisen ändern sich. Wer heute baut, sollte deshalb schon an den nächsten Umbau denken: an Bauteile, die sich lösen lassen, an Materialien, die man trennen kann, und an Möbel, die weiterziehen.

Das nachhaltigste Möbel ist das, das es schon gibt.

Warum ist der Innenausbau für die Kreislaufwirtschaft wichtig?

Weil Bauen in der Schweiz enorme Mengen an Material bewegt. Laut BAFU setzt der Bausektor jährlich rund 62 Millionen Tonnen Material um. Dazu kommen 16 bis 18 Millionen Tonnen Rückbaumaterial pro Jahr, von denen mehr als 5 Millionen Tonnen noch in keinem Kreislauf sind (BAFU, Kreislaufwirtschaft). Im Kanton Zürich sind über zwei Drittel aller Abfälle Bauabfälle (AWEL).

Baumaterialien verursachen rund 10 Prozent des Schweizer Treibhausgas-Fussabdrucks, und auch die Erstellung von Gebäuden soll bis spätestens 2050 Netto-Null erreichen (KBOB). Der Innenausbau wird häufiger erneuert als der Rohbau. Darum ist er ein Hebel, der sich bei jedem Umbau neu bewegen lässt.

Was bedeutet sortenreines Bauen?

Sortenrein bauen heisst, Bauteile so zu verbinden, dass sie sich wieder lösen und nach Material trennen lassen. Geschraubt statt geklebt, gesteckt statt verschäumt, getrennte Schichten statt Verbundwerkstoffe. Der SIA hält fest, dass Elemente so gestaltet und gefügt sein müssen, dass sie sich leicht zerlegen lassen, und dass eine klare Trennung von Tragstruktur, Installationen und Ausbau die Lebensdauer verlängert.

Beim Zwhatt Siedlungsbüro in Regensdorf ist das sichtbar: Das zentrale Baugerüst ist sortenrein gefügt, lässt sich vollständig demontieren, und der Stahl kann zurückgewonnen werden. In der Lounge Z gehen wir noch weiter. Die Möbel aus Stampflehmziegeln, Sperrholz und Nylongurten kommen ohne Leim, Nägel und giftige Stoffe aus. Wer die Gurte löst, hält wieder Ziegel, Platten und Bänder in der Hand, bereit für die nächste Konfiguration.

Sortenrein gefügtes Gerüst im Zwhatt Siedlungsbüro

Wie viel bringt Wiederverwendung?

Viel, wenn man früh plant. Beim Gebäude K.118 in Winterthur, das überwiegend aus wiederverwendeten Bauteilen besteht, sanken die grauen Treibhausgasemissionen um rund 60 Prozent gegenüber einem vergleichbaren Neubau (BFE). Beim Kindergarten Mööslistrasse in Zürich wurden Bauteile, Mobiliar und Geräte wiederverwendet, mit 30 Prozent weniger grauen Emissionen (EnergieSchweiz). Der Leitfaden hält zugleich fest, dass Re-Use nicht alles abdecken kann. Umso wichtiger ist, zuerst den Bestand zu erhalten.

Am neuen Campus der Berner Fachhochschule in Biel haben wir das Inventar aus neun Standorten erfasst und in die neuen Büros eingeplant. Rund neun von zehn Möbelstücken stammen aus dem Bestand. Neu kommt nur dazu, wo neue Arbeitsweisen neue Möbel verlangen.

Wie misst man die Wirkung?

Mit einer Bilanz, die von Anfang an mitläuft. In Workplace Intelligence entscheiden wir für jede Inventarposition, ob sie bleibt, weiterzieht oder ersetzt wird, und weisen die vermiedenen grauen Emissionen aus. Dazu kommen die Betriebsemissionen, die Fläche vorher und nachher und die Frage, wann sich die Emissionen des Ausbaus amortisieren. Rechenweg und Annahmen bleiben offen ausgewiesen. Mit dem Projektabschluss erhaltet ihr die Zahlen für euren Nachhaltigkeitsbericht. Mehr dazu auf unserer Seite Nachhaltigkeit.

Was bringt das dem Unternehmen?

Tiefere Anschaffungskosten und belastbare Zahlen für den Nachhaltigkeitsbericht. Jedes Möbelstück, das weiterverwendet wird, muss nicht neu gekauft werden. Am BFH Campus Biel kommen rund neun von zehn Möbelstücken aus dem Bestand, neu gekauft wird nur, was neue Arbeitsweisen verlangen.

Sortenrein gefügte Einbauten zahlen sich beim nächsten Umbau ein zweites Mal aus: Sie lassen sich lösen, statt abgebrochen und entsorgt zu werden. Und weil die vermiedenen Emissionen ausgewiesen sind, fliessen sie direkt in die Berichterstattung, ohne zusätzliche Studie.

Zwhatt Siedlungsbüro, Regensdorf

Häufige Fragen

Was ist graue Energie?

Die Energie, die für Herstellung, Transport, Einbau und Entsorgung von Baumaterialien nötig ist. Bei einem Umbau entsteht sie vor allem durch neue Materialien und Möbel.

Ist Re-Use teurer als neu kaufen?

Nicht unbedingt. Weiterverwendetes Mobiliar spart Anschaffungskosten. Aufwand entsteht für Erfassung, Aufbereitung und Planung. Früh geplant, rechnet sich das oft.

Kann man auch in Mietflächen zirkulär bauen?

Gerade dort. Mieterausbauten werden häufig erneuert. Sortenrein gefügte Einbauten lassen sich beim Auszug lösen und weiterverwenden.

Welche Normen gelten?

Graue Energie wird nach dem Merkblatt SIA 2032 bilanziert. Der Klimapfad SIA 390/1 definiert Zielwerte inklusive grauer Emissionen.

Wie fängt man an?

Mit einer Bestandsaufnahme: Was ist da, was ist in gutem Zustand, was passt zum neuen Konzept? Ein 3D-Scan und ein Inventar machen das sichtbar.

Ein guter Innenausbau denkt an den Tag, an dem er wieder gehen muss.

Kontakt

Zuhören ist unser erster Entwurf.

Jedes Projekt beginnt mit einem Gespräch. Erzählt uns, was ihr vorhabt: eine neue Arbeitswelt, ein Restaurant, eine Fläche mit Zukunft. Wir kommen offen, neugierig und mit der Erfahrung aus Strategie, Innenarchitektur und Licht. Am liebsten bei uns im Studio an der Gutstrasse in Zürich. Oder dort, wo euer Projekt entsteht.